Helden Reloaded

Helden Reloaded

Wer oder was ist ein Held? Braucht man in unserer fortschrittlichen und perfekten Welt überhaupt noch so etwas wie Helden? Wir haben uns genau diese Fragen gestellt und nach wahren Helden gesucht, die eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen, aber auch moderne Helden und schließlich auch unsere eigenen heldenhaften Ambitionen hinterfragt.

 

„Die Welt verändert sich und alles, was einst stark war, erweist sich nun als unsicher.“ – J.R. Tolkien in „Herr der Ringe“

Die Sehnsucht nach Helden ist die Sehnsucht nach Sicherheit. In jeder Sekunde unserer Existenz sind wir der Angst ausgesetzt. Wird diese Angst nicht durch Arbeit, Drogen oder Religion verdrängt, so verleiht diese Angst unserer Fantasie Flügel und in unseren (kindlichen) Träumen fliegen wir unverwundbar und heldenhaft durch die Lüfte.
Erwacht in der Wirklichkeit und immer noch verängstigt rufen wir nach starken Männern und Frauen. Wir rufen nach Siegfried, nach Christus, nach Superman, nach Tarzan, nach dem Ritter aus dem weißen Haus.
Doch am Ende müssen sie alle scheitern. Und genau dafür werden sie auch geliebt. Er schafft es nicht unsere Existenzangst zu beseitigen. Aber für den Versuch sind wir ihm oder ihr nach jedem Kinobesuch, Theateraufführung oder Beerdigung dankbar.

In der performativen Auseinandersetzung mit dem Thema „Helden“ versuchten wir Fragen, Fragen und immer wieder Fragen aufzuwerfen. Wir haben die Fragen in Texten, Szenen, Choreografien und Musik aufgenommen und weiterentwickelt, Fragmente davon hielten wir in einzelnen Bildern fest. Dann stellten wir diese Bilder selbst wieder in Frage, zerstörten sie und versuchten sie neu zu ordnen. Immer wieder. Einige dieser Bilder haben wir vorläufig vor der Zerstörung bewahrt, wir zeigen sie dem Publikum.
Die kritische, künstlerische Auseinandersetzung mit unserem Thema basierte auf der hohen Motivation der Jugendlichen: Deren Lust und Mut gemeinsam körperliche und mentale Grenzerfahrungen in einem geschützten Raum zu durchleben, sich der eigenen Angst bewusst zu werden, ihr in die Augen zu schauen und über den eigenen Tellerrand hinaus in die soziale und weltpolitische Wirklichkeit zu blicken. Den daraus gewonnenen Gefühlen und Gedanken Ausdruck zu verleihen, das ist heldenhaft und hoffnungsvoll. Dafür verdienen die Darsteller viel Respekt und Dank.

Nein, wir haben in dem Probenprozess keine eindeutigen Helden oder Heldinnen gefunden. Nur Spuren von ihnen. Nicht zuletzt auch in uns selbst.

Olek Witt (Regie)

 

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